KPU beim Pferd – was steckt dahinter?

Mit Krankheiten ist es wie mit der Mode: Mal ist etwas in, mal out! Das macht auch vor Pferdekrankheiten nicht halt. Ein gutes Beispiel ist die KPU. Kaum eine Krankheit ist in der Pferdewelt so umstritten wie die Kryptopyrrolurie beim Pferd. Dabei muss die Frage zuallererst lauten: Was ist KPU beim Pferd? Und: Ist die KPU überhaupt eine Krankheit? Die wichtigsten Fakten rund um die KPU.

Die Theorie

Das Thema "Kryptopyrrolurie beim Pferd“ tauchte erstmals 2009 auf, mittlerweile wird es in Reiter-Foren diskutiert und beschäftigt so manchen Pferdehalter.

Die Hypothese der Kryptopyrrole wurde zunächst im Bereich der Humanmedizin aufgestellt. Bei der KPU beim Pferd soll es sich um eine Erbkrankheit handeln, die eine Stoffwechselstörung auslöst. Bausteine des Blutfarbstoffs Hämoglobin, die so genannten Pyrrole, binden sich dabei vermehrt an Vitamin B6 und Zink. Der „Kryptopyrrol-Komplex“ verlässt den Körper mit dem Urin. Folglich fehlen dem Körper diese Vitalstoffe für seine Stoffwechselprozesse. Die Folge einer KPU beim Pferd soll eine Vielzahl von Stoffwechselentgleisungen sein.

Die Symptome

Folgende Symptome werden mit KPU beim Pferd in Verbindung gebracht:

  • Vitamin B6- und Zinkmangel, häufig sind auch Mangan und andere
  • Spurenelemente im Mangel.
  • Schwaches Immunsystem.
  • Müdigkeit, mangelnde Leistungsbereitschaft.
  • Verdauungsstörungen wie Koliken, Kotwasser, Durchfall oder Blähungen.
  • Hautprobleme wie Sommerekzem, Mauke oder Raspe.
  • Leber- und Nierenprobleme.
  • Psychische Verhaltensauffälligkeiten.


Desweiteren sehen Anhänger der KPU-Theorie einen Zusammenhang zwischen KPU beim Pferd und Problemen wie Equinem Metabolischen Syndrom (EMS), Hufrehe, Sommerekzem, Headshaking bis hin zu chronischen Lungenerkrankungen. Durch Licht, Infektionen, Stress, Schimmelpilzgifte oder auch Chemikalien, zum Beispiel aus Insektenabwehrmitteln, Holzschutzmitteln, Lacken, Farben oder Pestiziden sollen sich die Symptome verstärken.

Für die Diagnose einer angeblichen KPU wird meistens ein Test des Urins herangezogen, der nur in speziellen Laboren durchgeführt wird. Hier wird der Harn auf den Gehalt des Kryptopyrrols und den Indikanwert untersucht. In der Folge werden meist aufwendige und nicht zuletzt teure Therapien für das KPU-Pferd angeboten.

Der wissenschaftliche Blick

Das Krankheitsbild der KPU wird sowohl im Humanbereich als auch in der Tiermedizin nicht anerkannt. Wissenschaftlich fundierte Studien, die das Vorhandensein von Kryptopyrrolurie beim Menschen oder beim Pferd beweisen, gibt es nicht. Veterinäre, Mediziner und das renommierte Robert-Koch-Institut bezweifeln Theorien zu der Krankheit.

Insbesondere der genetische Faktor erscheint zweifelhaft. Selbst die Herkunft und chemische Identität der Pyrrole ist nicht ausreichend untersucht. Eine erhöhte Ausscheidung muss also nicht auf eine Erkrankung hindeuten. Hinter der Pseudokrankheit KPU steckt wohl nicht mehr als ein Mangel an Nährstoffen in Kombination mit einer Entgleisung des Entgiftungssystems des Pferdes.

KPU beim Pferd ist folglich keine Erbkrankheit, sondern ein Zeichen dafür, dass ein überlasteter Körper versucht Abbauprodukte so effektiv wie möglich auszuscheiden. Dass es bei diesem Entgiftungsweg zu einer Komplexbildung mit aktiviertem Vitamin B6, Zink oder anderen Nährstoffen kommt, ist durchaus normal und nicht unbedingt an einen Gendefekt gekoppelt.

Vorsicht also, wenn Ernährungsberater oder sonstige Therapeuten eine KPU beim Pferd diagnostizieren wollen. Vor allem dann, wenn im gleichen Zuge kostspielige Therapien oder ungewöhnliche Empfehlungen zur Fütterung des KPU-Pferds angeboten werden.

Die eigentlichen Ursachen

Was aber, wenn das eigene Pferd eine Reihe der angeblich für KPU typischen Symptome zeigt? Dann muss die Überlegung lauten, worauf diese zurückzuführen sind. Viele der der KPU zugeordneten Symptome sind Zeichen eines Zinkmangels oder eines erhöhten Zinkverbrauchs im Körper, aber können auch auf grundlegende Verdauungsstörungen hindeuten.

Anzeichen eines Zinkmangels beim Pferd

Schaut man sich die Mangelerscheinungen der betroffenen Pferde an, so deutet vieles auf eine Zinkunterversorgung hin. Hautprobleme, ein schwaches Immunsystem oder Leberproblemen sind klassische Symptome eines Zinkmangels. Diese können sowohl durch eine ungenügende Zink-Zufuhr als auch durch einen stark erhöhten Zinkverbrauch entstehen.

Zink ist an sehr vielen Vorgängen beim Stoffwechsel beteiligt. So wird unter anderem die Kohlenhydrat- und Eiweißverdauung durch Zink gesteuert. Je höher der Eiweißgehalt in der Nahrung, umso mehr Zink wird benötigt. Das Spurenelement ist zudem für ein stabiles Immunsystem notwendig. Auch die Enzyme des Haut- und Leberstoffwechsels können nur mit ausreichend Zink optimal arbeiten.

Die Blutwerte des Pferdes können Hinweise geben auf so eine Mangelerscheinung. Wichtig zu wissen: Auch ein Bluttest kann einen Zinkmangel nicht hundertprozentig nachweisen. Der Grund: Zink wird vor allem in den Organen benötigt. Das Blutbild gibt also nur einen ungefähren Hinweis auf mögliche Probleme. Wurde tags vor der Blutabnahme mit Zink versetztes Futter gegeben, werden die Blutwerte ebenfalls verfälscht.

Verdauungsprobleme durch unzureichende B-Vitamine-Versorgung

Ein gesundes Pferd kann einen großen Teil der benötigten B-Vitamine im Darm selbst herstellen. Die Mikroorganismen im Dickdarm gewinnen aus cellulosereichen Futtermitteln wie Gras und Heu nicht nur Energie, sondern produzieren auch Aminosäuren, Vitamin K und die B-Vitamine. Eine falsche Fütterung sowie Stress führen aber oft zu Verdauungsproblemen. Sie gehen nicht selten mit einer Zerstörung der gesunden Darmflora einher.

Die Folgen können Koliken, Kotwasser oder Durchfall sein. Im Organismus werden dabei vermehrt Giftstoffe gebildet, die den Stoffwechsel belasten. Zusätzlich ist die körpereigene B-Vitaminsynthese reduziert. Dies kann sich schnell in Haut-, Fell-, Leber- sowie Leistungsproblemen äußern. Bei länger anhaltenden Verdauungsproblemen wird auch die schützende Schleimhautschicht im Darm angegriffen. So gelangen Giftstoffe noch leichter in den Organismus.

Umweltgifte – Belastung für die Leber

Auch Umweltgifte können ein Grund für die Symptome beim Pferd sein. Pferde sind heutzutage einer Vielzahl von schädlichen Substanzen ausgesetzt. So belasten Rückstände von Medikamenten, schimmeliges Futter, Konservierungsstoffe in Futtermitteln, Pflanzenschutzmittel oder auch eine Überfütterung die Entgiftungsorgane des Körpers.

Um diese Toxine wieder aus dem Körper des Pferdes zu transportieren benötigt die Leber vor allem die Spurenelemente Zink und Mangan sowie Vitamin B6. Ziel sollte es daher sein, das Pferd so wenig wie möglich mit schädlichen Substanzen zu belasten und den Körper beim Entgiften zu unterstützen.

Pferde mit KPU – Die richtigen Fütterungs- und Haltungsbedingungen

Teure Verfahren zur Diagnose und dubiose Therapien kann man sich bei einem Verdacht auf KPU also in der Regel sparen. Treten Symptome wie Haut- und Verdauungsprobleme auf, reicht es meist aus, die Fütterung in Hinblick auf die enthaltenen Nährstoffe zu prüfen und zu verbessern. Eine artgerechte Haltung mit ausreichend Bewegung sollte selbstverständlich sein und trägt zu einem großen Teil zur Gesundheit des Pferdes bei.

Die bestmögliche Nährstoffversorgung liefert dem Organismus die Vitalstoffe, die er für eine reibungslose Entgiftung und für optimal funktionierende Stoffwechselvorgänge benötigt. Eine gute Belüftung im Stall reduziert die Schadstoffbelastung für das Pferd. Vor allem aber hält ausreichend Bewegung den Kreislauf sowie die Durchblutung des Gewebes und der Organe in Schwung. Dauerstress für das Pferd sollte möglichst vermeiden werden.

Bei länger andauernden oder schwerwiegenden Problemen ist die Untersuchung durch einen seriösen Tierarzt unumgänglich. Er kann die entsprechenden Symptome einordnen und leitet - wenn nötig - eine entsprechende weiterführende Diagnostik ein.

Die optimale Zink- und Spurenelementversorgung

In Deutschland und Mitteleuropa sind Gras, Heu oder auch Heulage oft arm an Spurenelementen wie Zink und Mangan. Bei Leberproblemen, Verdauungsstörungen, Hautproblemen oder auch chronischem Husten steigt besonders der Zink-Bedarf an.

Auch andere Spurenelemente benötigt der Organismus dann vermehrt. Deswegen ist es sinnvoll, in solchen Situationen diese Spurenelemente in einer erhöhten Menge über ein hochwertiges Zusatzfutter zu geben.

Gesunder Darm – ausreichend B-Vitamine

Der Darm gilt als das Zentrum der Gesundheit. Hier wird die Nahrung aufgespalten und Nährstoffe aufgenommen und hier befindet sich zudem ein Großteil des Immunsystems. Die im Dickdarm ablaufende B-Vitamin-Synthese ist bei Verdauungsproblemen stark vermindert. Das schlägt sich auch bei den Entgiftungsprozessen in der Leber nieder.

Um gravierende Probleme durch einen B-Vitaminmangel zu vermeiden, muss die Verdauung wieder stabilisiert werden. In solchen Fällen haben sich Ergänzungsfuttermittel mit darmpflegenden Kräutern, Schleimstoffen und probiotischen Lebendhefen bewährt.

Kraftfutter – auf die Menge kommt es an

Müslis und getreidereiches Kraftfutter sollten Pferde nur in angemessener Menge bekommen. Viele Besitzer übertreiben es damit aber leider. Daher sind viele Pferde zu dick, vor allem wenn sie gleichzeitig zu wenig arbeiten. Die Halter sollten sich über den Energiebedarf ihrer Tiere klar werden.

Oft reichen qualitativ hochwertiges Heu und bei Bedarf eine kleine Portion Kraftfutter aus. Zuviel Kraftfutter pro Futterration kann zu pH-Verschiebungen im Dickdarm führen. Die Folge sind dann Verdauungs- und Leberprobleme.

Expertentipp – die richtige Mineralstoff- und Vitaminversorgung

Die Bezeichnung „KPU beim Pferd“ beschreibt nach heutigem, wissenschaftlichem Kenntnisstand keinen Gendefekt und auch keine unheilbare Krankheit. Die Symptome einer KPU ähneln denen eines Zink- oder eines generellen Nährstoffmangels. Er kann mit einer Leber- und Stoffwechselüberlastung einhergehen.
Diese Krankheitsbilder lassen sich in der Regel jedoch leicht über eine entsprechende Ernährung ausgleichen.

Deswegen sollte als erster Schritt die Fütterung überprüft werden. Oft bekommen betroffene Pferde zu viel Kraftfutter und Heu und gleichzeitig zu wenige Mikronährstoffe. In solchen Fällen heißt es, die Futtermenge der Arbeitsleistung und dem Futterzustand des Pferdes anpassen. Wichtig ist vor allem eine angemessene Vitamin- und Mineralstoffversorgung.

  • Neben einem hochwertigen Mineralfutter ist auch eine Ergänzung mit Spurenelementen empfehlenswert. Hierfür eignen sich MASTERHORSE ZINK-PRO bei einer überwiegenden Zinkunterversorgung oder die MASTERHORSE SPUREN-KUR bei einem generellen Mangel an Spurenelemente.
  • Die B-Vitaminversorgung kann vor allem bei Durchfall und Kotwasser durch das Zusatzfutter MASTERHORSE B-KOMPLEX sichergestellt werden. Bei Verdauungsproblemen ist das probiotisch wirkende MASTERHORSE DARM-PERFEKT empfehlenswert.
  • Der Stoffwechsel der Leber sollte durch ausgewählte Stoffwechsel-Kräuter, wie zum Beispiel MASTERHORSE HEPADURE, unterstützt werden.

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