Leberwerte im Blutbild beim Pferd

In diesem kurzen Beitrag geben wir Euch einen kleinen Überblick über die verschiedenen Leber-Laborwerte, die in der Regel standardmäßig im großen Pferdeprofil analysiert werden. Die meisten Parameter müssen im Zusammenhang mit anderen Werten gesehen werden. Auch der klinische Zustand des Pferdes spielt eine wichtige Rolle bei der richtigen Interpretation des Blutbildes.

Was kann alles zu erhöhten Leberwerten im Blutbild führen?

  • Aufnahme von Giftpflanzen (z.B. Herbstzeitlose) oder Giftstoffen (z.B. Schimmel, Mykotoxine) über das Futter
  • Parasitenbefall
  • virale oder bakterielle Infekte
  • zu energie- und eiweißreiche Rationen --> Übergewicht
  • ein Umkippen der Darmflora


ɤ-GT oder GGT – Die Gamma-Glutamyltransferasen

GGTs sind Enzyme des Aminosäuren-Stoffwechsels, die überwiegend in der Leber vorkommen. Es handelt sich um einen sehr sensiblen Leberwert, der schnell bei einer akuten Leberüberlastung freigesetzt wird. Leicht erhöhte Werte weisen Pferde mit EMS, dicke Pferde oder überfütterte Tiere auf. Erhöhte GGTS können auf eine Virushepatitis, einen Gallenstau (z.B. bei Koliken) oder eine Pankreatitis hindeuten. Bei chronischen Leberproblemen sind die GGTs oft die einzig erhöhten Leberparameter. Stark erhöhte Werte können grundsätzlich ein Zeichen für eine Überlastung des Leber- und Gallensystems sein.

AST - Aspartat-Aminotransferasen

Die ASTs sind an Ab- und Umbauprozessen von Eiweißbausteinen beteiligt. Sie befinden sich in der Leber aber auch in der Muskulatur, den Nieren oder der Lunge. Daher handelt es sich nicht um einen rein spezifischen Leberwert, die AST muss deswegen immer im Zusammenhang mit anderen Laborparametern gesehen werden! So ist der Wert beispielsweise nach einem intensiven Training oft erhöht. Erhöhte Werte können aber auch ein Hinweis auf geschädigte Leberzellen, eine Vergiftung, eine Entzündung der Leber oder der Gallenwege sein.

GLDH – Die Glutamatdehydrogenasen

Diese leberspezifischen Enzyme weisen auf eine Schädigung der Leberzellen hin. Erhöhte GLDHs können ein Anzeichen für aufsteigende Infekte, z.B. aus dem Dünndarm, sein. Ein Anstieg des Blutspiegels ist ein Indiz für ein akutes bzw. fortschreitendes Leberproblem. Gründe für erhöhte Werte können Vergiftungen, Gallenstau oder Leberzirrhose sein.

ALP/AP – Alkalische Phophatase

Das Stoffwechselenzym ist v.a. in den Zellen der Knochen, der Leber und der Gallenwege zu finden. Es kann Hinweise auf eine Überlastung bzw. Erkrankung der Leber, der Gallenwege oder Veränderungen im Knochenstoffwechsel liefern.

Bilirubin

Hierbei handelt es sich um ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin. Bilirubin ist verantwortlich für die typische Gelbfärbung bei Leberproblemen, diese tritt allerdings erst bei stark erhöhten Werten auf.
Es ist hauptsächlich bei akuten Lebererkrankungen erhöht. Man unterscheidet direktes und indirektes Bilirubin, meist wird das „Gesamt-Bilirubin“ bestimmt, welches allerdings eine geringere Aussagekraft hat. Erhöhte Werte können beispielsweise durch Giftpflanzen, Medikamente oder Störungen des Gallenflusses entstehen. Bilirubin steigt ebenfalls an, wenn Pferde hungern oder bei einer Hämolyse (u.a. Blutverlust).

Gesamteiweiß

Das Gesamteiweiß gibt Anhaltspunkte auf die Eiweißversorgung bzw. Störungen des Eiweißstoffwechsels. Bei einer Mangelernährung oder bei schweren Leberschäden ist der Wert zu niedrig. Des Weiteren führen Proteinverluste bei Nierenerkrankungen oder bei akuten Blutverlusten zu niedrigen Werten. Bei einer Leberzirrhose oder chronischen Infekten hingegen sind die Werte im Blut erhöht

Albumin

Albumin ist Bestandteil des Gesamteiweißes. Es transportiert u.a. fettlösliche Vitamine, Spurenelemente, Hormone und andere wasserunlösliche Stoffe. Des Weiteren dient es u.a. der Entgiftung und beeinflusst den Flüssigkeitshaushalt. Zu niedrige Gehalte sind ein Hinweis auf chronische Darmprobleme, Infekte und darauf, dass die Leber stark belastet ist. Durchfall, Kotwasser, Nierenerkrankungen und Leberentzündung führen ebenfalls zu niedrigen Werten. Bei niedrigen Albumingehalten steigt die Gefahr von Ödemen an.

Leberproblemen beim Pferd: Gezielt ergänzen

Kommen der behandelnde Therapeut bzw. Therapeutin zum Schluss, dass ein Leberproblem vorliegt, dann ist es sinnvoll das Pferd gezielt über die Fütterung zu unterstützen. In unserem "Expertentipp Leber beim Pferd" gehen wir detailliert auf die Fütterung eines Pferdes mit Leberproblemen ein. Seitens der Futterergänzung lohnt sich ein Blick in die Kräuterkiste. Denn Mariendistel und Artischocke sind die besten und beliebtesten Kräuter für die Leber. Sie sind reich an Bitterstoffen, regen dadurch den Gallenfluss an, unterstützen die Leberentgiftung und regen vor allem die Regeneration des Lebergewebes an.
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