Das Shivering-Syndrom beim Pferd

10.09.2018

Das Shivering-Syndrom beim Pferd

Das Shivering SyndromDer Begriff Shivering kommt aus dem Englischen und bedeutet „Zittern“. Er beschreibt das Leitsymptom dieser noch recht unerforschten Krankheit. Shivering betrifft vor allem die Hinterbeine des Pferdes. Beim Hufauskratzen oder Rückwärtsrichten verkrampft die Muskulatur und beginnt zu zittern. Welche weiteren Symptome die Zitterkrankheit beim Pferd hat, was die Ursachen von Shivering sind und wie Sie es erkennen können, darüber berichten wir in diesem MASTERHORSE-Expertentipp.

Was versteht man unter Shivering - der Zitterkrankheit - bei Pferden?

Die Problematik von Shivering beim Pferd ist schon seit dem 19. Jahrhundert bekannt. Früher berichtete man von Kaltblütern und Zugpferden, die unter der Zitterkrankheit litten; in Großbritannien wurde diese im Jahre 1913 als Erbkrankheit anerkannt. Heutzutage liegt allerdings kein fundierter wissenschaftlicher Beweis vor, dass Shivering erblich bedingt ist.

Auf den ersten Blick kann man Shivering beim Pferd nicht erkennen. Betroffene Tiere erscheinen kerngesund; Pferde mit Shivering lassen sich in den meisten Fällen problemlos reiten. Sichtbar werden die Symptome der Zitterkrankheit - wie bereits anfangs erwähnt - erst beim Aufheben der Hufe des Pferdes oder beim Rückwärtsrichten.

Dabei kommt es zu unkontrollierten Krämpfen und Zuckungen der Muskulatur. Shivering beim Pferd ist eine chronische, vermutlich nicht schmerzhafte und langsam fortschreitende Bewegungs- bzw. Muskelstörung. Die Erkrankung ist vor allem im Anfangsstadium schwer zu diagnostizieren, eine Heilung gibt es nicht. Die meisten Pferde kommen mit dem Problem sehr gut zurecht und können ein beschwerdefreies Leben führen - auch im aktiven Turniersport.

Rassenspezifisches Auftreten?
Im Prinzip können alle Rassen von Shivering-Syndrom betroffen sein. Recht häufig treten die Probleme bei Kaltblütern auf. Aber auch Warm- und Vollblüter leiden unter den Symptomen. Sehr selten wird von der Krankheit bei Ponys berichtet. Auffällig ist, dass Shivering häufig bei großen Pferden (>1,73 m) auftritt. Die ersten Symptome erscheinen in der Regel vor dem siebten Lebensjahr. Bei Hengsten und Wallachen tritt das Shivering Syndrom deutlich öfter auf als bei Stuten, deswegen wird auch eine hormonelle Ursache in Betracht gezogen. In einigen Fällen stagnieren die Auffälligkeiten, allerdings werden in den meisten Fällen die neuromuskulären Störungen im Laufe der Zeit größer.

Was sind typische Symptome der Zitterkrankheit?
Pferde mit Shivering wirken vorerst kerngesund und haben in der Vorwärtsbewegung keine Probleme. Erst wenn es an das Hufeaufheben oder Rückwärtsrichten geht, dann treten Schwierigkeiten auf. Das Muskelzittern betrifft vor allem die Hinterbeine, die Symptome können aber auch den Vorderbeinen oder im Gesicht auftreten. Im weiter fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung beobachtet man neben dem Muskelzittern auch noch eine schwindende Muskelkraft und einen Rückgang der Muskulatur.

Hier weitere Symptome des Shivering-Syndroms:

  • Ruckartiges Strecken der Beine.
  • Tiere verharren oft einige Minuten mit angehobenem Bein, bis sich der Krampf gelöst hat, das Bein wird anschließend langsam abgesetzt.
  • Betroffene Pferde haben beim Hufeaufheben oder Rückwärtsrichten Gleichgewichtsprobleme und müssen sich ausbalancieren.
  • In einigen Fällen betrifft Shivering auch das Gesicht, hier kommt es zu vermehrtem Augenzwinkern, hektischem Ohrenspiel und Krämpfen in den Lippen.

Erkennen von Shivering – die häufigsten Ursachen

Die Diagnostik bei Shivering ist recht schwierig, es gibt noch kein standardisiertes Diagnoseverfahren. Der Tierarzt muss anhand seines geschulten Auges erkennen, ob es sich um Shivering beim Pferd handelt oder nicht.

Zudem gibt es Verwechslungsmöglichkeiten mit folgenden Erkrankungen, die zu ähnlichen Symptomen führen:

  • Probleme mit dem Knieband
  • Kissing Spines
  • Hahnentritt

Sehr häufig wird Shivering mit dem letzteren verwechselt. Der Hauptunterschied zwischen den beiden neuromuskulären Störungen liegt allerdings darin, dass bei Hahnentritt die Ausweichbewegungen mit den Beinen schnell und ruckartig erfolgen, beim Shivering hingegen verharren die Pferde kurzzeitig in der krampfenden Position und setzen dann das Bein langsam ab.

Das Blutbild lässt leider keinen Aufschluss auf die Krankheit zu. Die typischen Muskelwerte Creatin Kinase (CK) und Aspartat Aminotransferase (AST) sind vergleichbar mit symptomfreien Tieren. Auch der Vitamin E- und Selen-Status entspricht dem von gesunden Tieren.

Als mögliche Ursachen werden folgende Möglichkeiten diskutiert:

  • Hormonell bedingt: Indiz dafür ist ein deutlich höheres Auftreten bei männlichen Pferden als bei weiblichen Tieren.
  • Neurologische Ursachen: Nach neueren Studien wird vermutet, dass bedingt durch eine Degeneration von Nervenzellen im Gehirn die Nervenimpulse unvollständig an der Zielmuskulatur ankommen und deswegen die Reaktion am Zielort nicht korrekt ausgelöst wird. Auch eine Störung der Neurotransmitter kann in Frage kommen.
  • Muskuläre Ursachen: Eine andere Studie fand weniger Glykogen („Kraftstoff“) in den Zellen, d.h. die Muskulatur ermüdet schneller.
  • Genetik: Züchter spekulieren, dass Shivering erblich ist, eine wissenschaftliche Bestätigung dazu gibt es allerding noch nicht. Eine vermehrte Häufigkeit in gewissen Zuchtlinien scheint vorzukommen.
  • Infekte: Einige Wissenschaftler haben die Vermutung, dass ein Influenza-Infekt oder eine andere systemische Infektion zu neuropathischen Läsionen führen, die das Shivering Syndrom begünstigen.
  • Trauma: Einige Pferde zeigten nach einem schweren Sturz oder Unfall erste Anzeichen von Shivering.
INFO TO GO  
  • Pferde, die unter Shivering leiden, scheinen meist komplett unauffällig und gesund. Erst wenn es darum geht, rückwärts zu gehen oder die Hufe auszukratzen, zeigen sie Probleme mit der Balance und beginnen, auffällig zu zittern.
  • Um Shivering eindeutig zu diagnostizieren, sollte in jedem Fall ein Tierarzt zu Rate gezogen werden. Schnell kann dieses Syndrom auch mit ähnlichen Problematiken wie Anomalien am Knieband, Kissing Spines oder einem Hahnentritt verwechselt werden.
  • Pferde mit Shivering können – wenn man sich auf sie einstellt – weiterhin ein schönes Leben führen. In einem großen Stall mit Auslauf in einer funktionierenden Herde klappt das sehr gut. Problemsituationen wie beim Hufschmied oder beim Hänger fahren kann man entgehen, in dem man das Pferd beim Beschlagen sediert oder es nur ausschneiden lässt und wenn man einen Hänger mit Frontausstieg verwendet.
  • Betroffene Pferde profitieren von einer fett- und stärkereichen Futterration ohne viel Getreide.
 

Kann Shivering überhaupt geheilt werden?

Für Pferde mit Shivering gibt es im Moment noch keine Heilung. In Anlehnung an die verschiedenen Ursachen gibt es auch unterschiedliche Behandlungsmethoden, die zu einer Linderung der Symptome führen können. In vielen Fällen stagniert der Krankheitsverlauf, ansonsten tritt eine schleichende Verstärkung der Symptome auf. Auch wenn die neuromuskuläre Störung nicht heilbar ist, können betroffene Pferde ein (fast) normales und schmerzfreies Leben als (Reit-) Pferd führen.

Hier ein paar Tipps wie Halter, Besitzer und Reiter dem betroffenen Pferd das Leben mit der Krankheit etwas leichter machen:

  • Haltung: Pferde mit Shivering brauchen viel Platz und freie Bewegung, so dass sie großzügig wenden können. Optimal wäre eine große Koppel mit einer Hütte zum Unterstellen, ansonsten kommen die Tiere meist mit einer großen Box und viel Auslauf gut zurecht.
  • Hufschmied: Das lange Hufeaufheben beim Beschlagen belastet Pferde mit der Zitterkrankheit sehr. Im optimalen Fall kommt das Pferd auch barfuß gut zurecht und muss deswegen nicht viel Zeit beim Hufschmied verbringen. Ist ein Beschlag nötig, empfiehlt es sich das Pferd dabei zu sedieren.
  • Stress: Aufregende und ungewohnte Situationen verstärken die Symptome des Shiverings. Gewöhnen Sie deswegen betroffene Pferde langsam an Veränderungen.
  • Hänger fahren: Bedeutet zum einen für viele Pferde Stress und zum anderen müssen die Tiere aus dem meisten Hängern wieder rückwärts aussteigen. Mit regelmäßigem Hängertraining und sanftem Fahren sinkt der Stresslevel, ansonsten empfiehlt sich für Pferde mit Shivering ein Pferdeanhänger mit Frontausstieg.
  • Training: Erfahrungsgemäß reduziert eine kräftige Muskulatur die Intensität der Symptome.
  • Manuelle Therapien: Da die Muskulatur regelmäßig verkrampft, ist es für die Pferde wohltuend, wenn sie regelmäßig von einem Physiotherapeuten, Osteopathen o.ä. behandelt werden.

MASTERHORSE-Expertentipp – die optimale Fütterung und der richtige Umgang von Pferden mit Shivering

Pferde mit der Zitterkrankheit profitieren von einer fettreichen sowie stärke- und somit getreidearmen Fütterung. Neben Gras und Heu kommen getreidefreie und strukturreiche Müslis wie das MASTERHORSE FASER-PLUS in Frage. Hochwertige Öle wie das MASTERHORSE LEINÖL sind eine weitere sehr gute Energiequelle für Pferde mit Shivering. Die Vitamin- und Mineralstoffversorgung sollte stets bedarfsgerecht sein, besonders wichtig ist eine optimale Magnesium- und Mangan-Zufuhr.

Eine Rundumversorgung an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und Aminosäuren bietet das Mineralfutter MASTERHORSE BASIS-METABOL. Es enthält auch die für das Nervenkostüm wichtige Aminosäure Tryptophan, die alternativ auch über das Spezialfuttermittel MASTERHORSE MAG-PRO gefüttert werden kann.

Fütterungstipps

  • MASTERHORSE LEINÖL

    • kaltgepresstes Leinöl
    • sorgt für ein glänzendes Fell
    • fördert die Verdauung

    ab 6,95 €* ­7,95 €*
  • MASTERHORSE BASIS-METABOL

    • besonders geeignet für Pferde mit einem empfindlichen Stoffwechsel
    • liefert Vitamine, Mineralstoffe, Aminosäuren und weitere Vitalstoffe
    • ohne Getreide und Melasse

    ab 41,95 €* 13,98 € * / 1 kg
  • MASTERHORSE MAG-PRO

    • hochwirksame Kombination aus Tryptophan, Magnesium sowie den Vitaminen E, B6 und B12 für ein strakes Nervenkostüm
    • ohne Getreide und Melasse
    • nicht ADMR-konform

    ab 49,95 €*
  • MASTERHORSE FASER-PLUS

    • kräuterreich und ohne Getreide
    • arm an Energie und Eiweiß
    • ideal für rehegefährdete oder leichtfuttrige Pferde / Ponys

    ab 18,95 €* 1,26 € * / 1 kg