Eiweißversorgung beim Pferd

25.06.2018

Die richtige Eiweißversorgung des Pferdes

Expertentipp EiweißversorgungSpricht man über die bedarfsgerechte Eiweißversorgung eines Pferdes, ist es gar nicht so einfach, einen Mangel oder einen Überschuss auszumachen: Enthält die Ration zu wenig Protein, verliert das Pferd an Muskelmasse – das wissen wir. Nimmt es zu viel an Eiweiß auf, kommt es allerdings nicht zum angenommenen und häufig auch gewünschten Effekt: der Ausbildung wahrer Muskelberge. Nein, es passiert genau das Gegenteil:

Auch in diesem Fall verliert der Körper des Pferdes an Masse. Warum dem so ist und was es mit dem Eiweiß in der Pferdefütterung sonst noch so auf sich hat – dem gehen unsere Experten in diesem Artikel auf den Grund.

Wie wichtig ist Eiweiß in der Pferdefütterung?

Neben den Kohlenhydraten und den Fetten gehören Proteine, umgangssprachlich auch Eiweiß genannt, zu den Hauptnährstoffen unserer Pferde. Nach dem Wasser bilden die Proteine die zweitgrößte Komponente im Körper. Bei ihnen handelt es sich um Baustoffe, welche der Organismus für den Aufbau von Körpersubstanz benötigt. Hohe Proteinmengen sind in Muskulatur, Bindegewebe, Organen, Blut und Milch zu finden. Darüber hinaus spielen Eiweiße im Enzymstoffwechsel, dem Immunsystem sowie der Regeneration der Erbsubstanz eine wichtige Rolle.

Sehen wir uns die Proteine an dieser Stelle einmal genauer an: Jedes Protein setzt sich aus vielen verschiedenen Aminosäuren zusammen. Es gibt insgesamt 20 verschiedene Arten. Man unterteilt sie in essenzielle und nicht-essenzielle Aminosäuren. Nicht-essenzielle Aminosäuren kann der Organismus selbst herstellen. Die essenziellen Aminosäuren müssen im Futter enthalten sein. Zu ihnen zählen z.B. Lysin, Methionin, Tryptophan oder Threonin.

Damit Stoffwechselvorgänge sowie Aufbau- und Regenerationsprozesse reibungslos ablaufen können, ist der Organismus auf eine kontinuierliche Zufuhr von Eiweiß über das Futter angewiesen. Die Bedarfswerte sind, je nach Leistung des Pferdes, sehr unterschiedlich. So benötigt eine laktierende Stute sehr viel mehr Eiweiß als ein leicht gearbeitetes Reitpferd. In der Pferdefütterung werden momentan zwei verschiedene Begriffe für den Proteingehalt im Futter eingesetzt, das „verdauliche Rohprotein“ sowie das „dünndarmverdauliche Rohprotein“. Die neuere und auch exaktere Bezeichnung ist „dünndarmverdauliches Rohprotein“, da es die Eiweißmenge angibt, welche das Tier im Dünndarm aufnehmen kann. Im Dickdarm werden Proteinbausteine kaum noch resorbiert, sondern durch die Darmflora abgebaut.

Der Eiweißbedarf eines erwachsenen Pferdes liegt bei etwa 0,5-1 g verdaulichem Rohprotein bzw. 0,6 g dünndarmverdaulichem Rohprotein (3 g dvRP/ kg LG0,75) pro kg Körpergewicht.

Hier eine Tabelle mit den verschiedenen Bedarfswerten für ein 600 kg schweres Warmblut bzw. ein Jungpferd mit 600 kg Endgewicht:

Warmblut 600 kg LG Verdauliches Rohprotein (verd. RP)* Dünndarmverdauliches Rohprotein (dvRP)**
Erhaltung, Leichte Arbeit 365-455 g 455-545 g
Mittlere Arbeit 455-545 g 545-635 g
Schwere Arbeit 545-725 g 725-910 g
Tragende Stute 11. Monat 640 g 700 g
Laktierende Stute 1. Monat 1275 g 1040 g
Fohlen 3.-6. Monat 680 g 415 g
Jungpferd 19.-24. Monat 505 g 385 g

*nach Meyer, Coenen; Pferdefütterung; 4. Auflage, 2002
**nach Meyer, Coenen; Pferdefütterung, 5. Auflage, 2014

Die Risiken eines Proteinüberschusses beim Pferd

Werfen wir zuerst einen Blick auf die Eiweißverdauung, welche im Magen des Pferdes beginnt. Eiweißspaltende Enzyme, die Proteasen, lösen Aminosäureketten in ihre Einzelbestandteile auf. Die Aminosäuren gelangen in den Dünndarm, werden dort resorbiert und zur Leber transportiert. Die Leber setzt sie dann entweder zu körpereigenen Funktionsproteinen (Transporteiweiße, Immunglobuline, Gerinnungsfaktoren, Enzyme etc.) zusammen oder gewinnt Energie daraus. Die Umwandlung in Energie erfolgt vor allem dann, wenn die Eiweißzufuhr höher ist als der Bedarf.

Aminosäuren setzen sich aus Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff sowie einer Stickstoffgruppe zusammen. Einige von ihnen, z.B. Methionin und Cystein, enthalten zudem eine Schwefelgruppe. Der Körper verwendet Stickstoff für den Aufbau von Aminosäuren bzw. Proteinen. Nicht benötigter Stickstoff wird zuerst in Harnsäure, anschließend in der Leber zu Harnstoff umgewandelt und über die Nieren mit dem Harn ausgeschieden. Zu große Mengen an Eiweiß bringen folglich die Entgiftungsorgane an ihre Leistungsgrenze.

Ein weiteres Problem sind sehr große Eiweißmengen, die den Dünndarm unverdaut passieren und in den Dickdarm gelangen. Beim mikrobiellen Aufschluss entstehen schädliche Substanzen wie zum Beispiel Schwefelwasserstoffe, Ammoniak sowie biogene Amine. Sie werden über die Darmschleimhaut resorbiert und dann von der Leber aufwändig entgiftet. Zusätzlich wird das Gleichgewicht der Darmflora beeinträchtigt, die Folge davon können (schwere) Durchfälle sein.

Ein Proteinüberschuss führt beim Pferd nicht zu einem enormen Muskelzuwachs, sondern eher zu einem Substanzabbau. Hauptursache dafür ist die erhöhte Leberbelastung. Das Entgiftungsorgan arbeitet auf Hochtouren, um Eiweißabbauprodukte zu entsorgen. Dadurch fährt sie andere Funktionen wie z.B. Vitamin-Speicherung, allgemeine Entgiftung, aber auch die Verarbeitung von Aminosäuren zu körpereigenem Eiweiß zurück. Der Organismus zieht nun die Proteinbausteine für elementar wichtige Stoffwechselprozesse z.B. aus der Muskulatur. Die Folge: Das Pferd wird trotz genügend Futter und Protein dünner.

Die Symptome eines Eiweißmangels und Eiweißüberschusses beim Pferd

Ein Eiweißmangel ist in unseren Regionen sehr selten. Wie oben schon erwähnt, hat ein Großpferd mit 600 kg einen Proteinbedarf von 455 g dvRP. Heu von guter Qualität enthält etwa 82 g dvRP. Bei einer Futtermenge von etwa 8-10 kg Heu pro Tag ist der Eiweißbedarf folglich mehr als gedeckt! Die klassische Heu- und Haferration ist für das ausgewachsene Reitpferd mit leichter Belastung in der Regel bedarfsdeckend.

Einem Jungtier im Wachstum, einem Sportpferd oder gar einer laktierenden Stute reicht diese Ration nicht aus. Es fehlt ihr an essenziellen Aminosäuren. Die Folgen davon sind verzögertes Wachstum beim Jungpferd, schlechte Bemuskelung sowie mangelnde Leistung beim Sportler und eine verminderte Milchleistung bei der Mutterstute. Auch ein schwaches Immunsystem mit einer erhöhten Infektanfälligkeit zählt zu den Symptomen eines Eiweißmangels beim Pferd. Ein Eiweißmangel beim Pferd ist genaugenommen ein Aminosäurenmangel. Pferdehalter von Jung-, Sport- und Zuchtpferden kennen in der Regel den erhöhten Bedarf an hochwertigem Protein. Also einer Eiweißzusammensetzung, die sich durch einen hohen Anteil an essenziellen Aminosäuren auszeichnet. Kritischer wird die Aminosäurenversorgung bei älteren Pferden oder bei leichtfuttrigen Tieren, die knapp gefüttert werden. Bei Senioren verschlechtert sich die Eiweißverdauung im Laufe der Jahre, zudem benötigen sie vermehrt essenzielle Aminosäuren für den Substanzerhalt. Leichtfuttrige oder zu dicke Tiere erhalten häufig spät geerntetes Heu. Das ist zwar sehr rohfaserreich und energiearm, enthält aber kaum (hochwertiges) Protein. Bei einer solchen Fütterung ist ein Ergänzungsfuttermittel mit hochwertigen Aminosäuren notwendig. Sonst bauen betroffene Pferde Muskulatur schlecht auf bzw. sogar ab und können die gewünschte Leistung nicht abrufen.

 

 INFO TO GO - Eiweißmangel und Eiweißüberschuss bei Pferden  
  • Auf die Menge kommt es an: Sowohl ein Zuviel als auch ein Zuwenig kann zu Leistungsdefiziten und schwacher Muskulatur führen. Ein Proteinüberschuss beim Pferd belastet zudem Leber und Nieren.
  • Eiweißmangel selten – Aminosäurenmangel oft: Die klassische Heu- und Haferration liefert mengenmäßig ausreichend Protein, doch fehlt es ihr an essenziellen Aminosäuren. Abhilfe schafft eine gezielte Futterergänzung.
  • Extra-Portion Eiweiß und Aminosäuren: Jungpferde im Wachstum, Tiere im Aufbautraining, Sportpferde, Zuchtstuten und ältere Pferde haben einen erhöhten Bedarf an hochwertigem Eiweiß bzw. essenziellen Aminosäuren.
 

Behandlung eines Proteinüberschusses beim Pferd

Einen kurzzeitigen Proteinüberschuss, zum Beispiel das junge Gras im Frühjahr, kann ein gesundes Pferd problemlos verkraften. Das gleiche gilt für eine längerfristige, leicht über dem Bedarf liegende Eiweißversorgung, die durch eine herkömmliche Futterration entsteht.

Ein dauerhafter und hoher Proteinüberschuss beim Pferd muss jedoch vermieden werden. Die Basis schafft eine ausgewogene Futterration. Bei Heu gilt, nicht zu viel und nicht zu wenig. Bei einer Obergrenze von 2 kg je 100 kg Körpergewicht bleibt der Eiweißüberschuss noch im Rahmen. Gutes Futterstroh befriedigt das Kaubedürfnis, es enthält zudem sehr wenig Eiweiß und Energie. Benötigt das Pferd noch mehr Energie, so kommen z.B. Mais oder Öl als eiweißarme Futtermittel in Frage.

Eiweissversorgung beim Pferd

Der Organismus baut überschüssiges Protein vor allem über die Nieren ab. Um es regelrecht aus dem Körper zu spülen, muss das Pferd ausreichend saufen. Neben einer Selbsttränke bietet sich noch ein Eimer oder eine Wanne mit Wasser an. Offenes Wasser wird von den Tieren lieber und in größeren Mengen aufgenommen. Um das Durstgefühl zu verstärken ist das Einmischen von Elektrolyten sinnvoll. Da Leber und Nieren Höchstleistung erbringen, empfehlen wir spezielle Kräutermischungen, die sie in ihrer Entgiftungsarbeit unterstützen. In den jeweiligen Expertentipps gehen wir detaillierter auf mögliche Folgeerkrankungen der Entgiftungsorgane und deren Behandlungsmöglichkeiten ein.

Wie wirkt man einem Proteinmangel beim Pferd entgegen?

Wie bereits geschrieben, kommt es bei erwachsenen, normal beanspruchten Reitpferden selten zu einem Proteinmangel. Kritisch kann jedoch die Versorgung mit essenziellen Aminosäuren sein. Um dies zu vermeiden ist es empfehlenswert, die Ration entweder mit einem aminosäurereichen Ergänzungsfuttermittel aufzuwerten oder Futtermittel mit einer guten Aminosäurenzusammensetzung zu füttern. So bleibt das Pferd gut bemuskelt und leistungsbereit.

MASTERHORSE Expertentipp – die optimale Fütterung zur Vermeidung eines Eiweißüberschusses oder Eiweißmangels beim Pferd

Um sowohl einem Eiweißüberschuss als auch einem Eiweißmangel vorzubeugen ist es wichtig, die Futterration des Pferdes ausgewogen zu gestalten. Die Basis hierfür schafft gutes Heu. Vorsicht bei einer ad libitum Fütterung von Heu. Hier kann es schnell zu einem Proteinüberschuss kommen, der den Stoffwechsel immens belastet. Wir empfehlen 1,5-1,8 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht.

Einen besonders hohen Bedarf an hochwertigem Protein bzw. essenziellen Aminosäuren haben Jung- und Zuchttiere, Senioren, Sportpferde und Pferde im Aufbautraining. Sie profitieren von einem Ergänzungsfuttermittel mit einer Extra-Portion Aminosäuren, wie zum Beispiel EQUIPUR-amino oder MASTERHORSE TRI-POWER PLUS. Das EQUIPUR-amino enthält die Aminosäuren Lysin, Methionin und Threonin in hoher Konzentration. Das Besondere an MASTERHORSE TRI-POWER PLUS ist die Kombination aus natürlichen und zugesetzten Aminosäuren. Die Mikroalgen Spirulina und Chlorella zeichnen sich durch einen hohen Gehalt an essenziellen Aminosäuren aus, ähnliches gilt für Soja und Leinsamen. Lysin, Methionin, Threonin und Tryptophan runden dieses Futtermittel ab.

Sportpferde profitieren von unserem Mineralfutter MASTERHORSE SPORT. Es berücksichtigt den erhöhten Bedarf an Vitaminen, Mineralstoffen und Aminosäuren. Als Kraftfutter eignet sich das MASTERHORSE NATURKORN-SPORT. Neben leicht verdaulicher Energie enthält es auch die hochwertigen Eiweißquellen Soja und Luzerne. Analog dazu finden Sie im MASTERHORSE-Sortiment auch das passende Mineralfutter und Müsli für ältere Pferde (MASTERHORSE SENIOR und MASTERHORSE NATURKORN-SENIOR).

Bei einem erhöhten Proteinbedarf ist Luzerne eine wertvolle Futterpflanze. Durch ihren hohen Anteil an essenziellen Aminosäuren sind MASTERHORSE LUZERNE-COBS häufig Bestandteil in Rationen von Jungtieren, Zuchtstuten, Sportpferden sowie Senioren.

Fütterungstipps

  • MASTERHORSE NATURKORN-SENIOR

    • Müsli speziell für ältere Pferde
    • enthält leicht verdauliches Getreide
    • mit hochwertigen Proteinquellen

    ab 17,95 €* 1,20 € * / 1 kg
  • MASTERHORSE SPORT

    • bedarfsgerechte Vitamin- und Mineralstoffversorgung
    • die Aminosäuren Lysin und Methionin unterstützen den Muskelaufbau
    • pelletiert und sehr schmackhaft

    ab 31,95 €* 8,88 € * / 1 kg
  • MASTERHORSE TRI-POWER PLUS

    • Aminosäuren-Komplex mit der 3-fach-Wirkung durch
    • Lysin, Methionin und Threonin
    • Spirulina und Chlorella

    ab 51,95 €* 34,63 € * / 1 kg
  • EQUIPUR-amino

    • verzögert vorzeitigen Muskelabbau bei alten oder kranken Pferden
    • fördert den Muskel- und Knochenaufbau bei Sport- und Jungpferden
    • stärkt das Bindegewebe

    ab 35,90 €*
  • MASTERHORSE LUZERNE-COBS

    • schonend getrocknete Luzerne
    • besonders geeignet für Zucht-, Jung-, und Sportpferde
    • für eine getreidefreie Fütterung

    12,95 €* 0,65 € * / 1 kg