Muskelstoffwechselerkrankungen wie z.B. PSSM bei Pferden

PSSM beim PferdMuskelstoffwechselerkrankungen bei Pferden treten in verschiedenen Formen auf. Alle haben eines gemeinsam: die Schädigung und teilweise Zerstörung der Muskelzellen. Allerdings sind die Verlaufsformen sowie die Ursachen völlig verschieden. Neben sporadisch auftretenden Formen wie beispielsweise dem akuten Kreuzverschlag oder auch Sporadic Exertional Rhabdomyolysis (SER), der vor allem bei spontaner Überforderung untrainierter Pferde auftritt, gibt es auch Formen von Muskelerkrankungen, die auf genetisch bedingte Störungen des Muskelstoffwechsels zurückzuführen sind. Diese Störungen sind erblich, nicht heilbar und können allein durch ein entsprechendes Haltungs- und Fütterungsmanagement der betroffenen Pferde „behandelt“ werden. Generell wird unterschieden zwischen der Polysaccharid-Speicher-Myopathie (PSSM) und der wiederkehrenden Belastungsmyopathie (RER).

 INFO TO GO - PSSM beim Pferd
 
  • PSSM ist eine Muskelerkrankung, die insbesondere bei robusten, nervenstarken und gut bemuskelten Pferden auftritt.
  • Die betroffenen Pferde lagern große Mengen an Polysacchariden in der Muskulatur ein, wodurch diese geschädigt wird.
  • Akute Schübe von PSSM können bereits bei normaler Arbeit durch den Abbau der großen Mengen an gespeichertem Glykogen in der Muskulatur ausgelöst werden.
  • Die Krankheit ist erblich und nicht heilbar. Die Anzahl der akuten Schübe kann lediglich durch eine optimierte Haltung und Fütterung reduziert werden.
  • Eine kohlenhydratarme Fütterung mit einer bedarfsgerechten Ergänzung mit Vitaminen und Mineralstoffen sowie eine solide Grundfitness können betroffenen Pferden ein annähernd normales Leben ermöglichen.
  • Regelmäßige Bewegung reduziert die übermäßige Einlagerung von Glykogen in der Muskulatur und die Ergänzung der Ration mit Vitamin E und Selen verhindert die Schädigung der Muskelzellen durch die eingelagerten Zuckermoleküle.
 

Polysaccharid-Speicher-Myopathie (PSSM) beim Pferd - Ursachen, Symptome und Behandlung

PSSM beim Pferd ist eine Muskelerkrankung, bei der sich Polysaccharide – also langkettige Zuckermoleküle – in großen Mengen in der Muskulatur anreichern. Bei diesen Polysacchariden handelt es sich in erster Linie um Glykogen. Dieses Kohlenhydrat dient jedem Säugetier als Energiespeicher und wird von allen Pferden in Maßen gebildet, um die Muskulatur mit Energie zu versorgen. Bei Pferden mit dieser Krankheit geschieht dies aber in einer deutlich höheren Menge als bei gesunden Pferden. Glykogen besteht aus einem zentralen Protein, an das bis zu 50.000 Glukosebausteine gebunden sind. Glykogen ist also nicht gleich Glykogen. Wird die Energie, die in Form von Glykogen gespeichert ist, benötigt, werden die Glykogenmoleküle enzymatisch aufgespalten und zur Energiegewinnung umgebaut. Bei Pferden mit PSSM werden aber auch Glykogenmoleküle gebildet und eingelagert, die nicht wieder abgebaut und für die Energieversorgung der Muskelzellen genutzt werden können. Diese verbleiben dauerhaft in der Muskulatur, reichern sich dort mehr und mehr an und schädigen die Muskelzellen. Diese Schädigungen sind verantwortlich für die chronischen Symptome, die bei Pferden mit PSSM (Polysaccharid-Speicher-Myopathie) auftreten.
Die Krankheit ist erblich und tritt besonders bei gut bemuskelten Pferden mit ruhigerem Gemüt, wie beispielsweise Westernpferden, Kaltblütern oder auch Robustpferden auf. Entdeckt wurde die Krankheit zunächst bei American Quarter Horses. Durch den Import von Quarter Horses und die Kreuzung mit anderen Rassen gibt es aber mittlerweile auch viele Fälle bei Warmblütern sowie Pferden anderer Rassen. Studien der Veterinärmedizinischen Uni in Wien haben gezeigt, dass auch bei in Österreich lebenden Haflingern und Norikern viele Fälle von PSSM vorkommen.

PSSM Pferd
Neben Westernpferden sind auch Kaltblutrassen wie die Noriker von PSSM betroffen.
  

Symptome der Polysaccharid-Speichermyopathie

Oft wird PSSM beim Pferd erst beim Auftreten eines akuten Schubes entdeckt. Die Hauptsymptome eines akuten Schubes sind schwere Muskelkrämpfe, die besonders während und unmittelbar nach körperlicher Arbeit auftreten. Die betroffenen Pferde zittern stark, zeigen verkrampfte Extremitäten, einen hochgezogenen Bauch und besonders im Rückenbereich harte, verkrampfte und geschwollene Muskulatur. Durch die Zerstörung der Muskelzellen gelangt zudem der rote Muskelfarbstoff Myoglobin in die Blutbahn und von hier aus über die Nieren in den Harn, was diesen dunkelrot bis kaffeebraun verfärbt.
Erkrankte Pferde zeigen bei genauerer Betrachtung aber auch außerhalb der chronischen Schübe deutliche Anzeichen von PSSM:

  • Permanente, wenn auch zum Teil nicht sehr stark ausgeprägte Muskelsteifheit,
  • übermäßiges Schwitzen schon bei leichter Arbeit,
  • wiederkehrende und wechselnde Lahmheiten sowie stetiger Muskelabbau im Bereich der Kruppe und des Rückens

sind die Folgen der permanenten Einlagerungen von nicht abbaubarem Glykogen in der Muskulatur.

Abgrenzung von PSSM zu RER

Neben der Polysaccharid-Speichermyopahtie gibt es noch eine weitere Muskelerkrankung beim Pferd, die ähnliche Symptome auslöst, jedoch andere Ursachen hat.
Die Recurrent Exertional Rhabdomyolysis (RER) wird auch als wiederkehrender, belastungsbedingter Verschlag bezeichnet. Wie bei PSSM handelt es sich bei RER um eine Stoffwechselstörung in der Muskelzelle. Anders als PSSM tritt RER jedoch deutlich häufiger bei hoch im Blut stehenden und hypernervösen Pferden auf. Gerade Rennpferde sind betroffen und hier insbesondere sehr junge Tiere, bei denen das Nervenkostüm noch sehr schwach ist.
Solche Pferde können von Natur aus größere Mengen an Glykogen einlagern und im Bedarfsfall schlagartig verbrennen. Diese Fähigkeit verschafft Rennpferden einen entscheidenden Vorteil, denn die extreme Belastung der Muskulatur in einem sehr kurzen Zeitraum setzt eine kurzfristige Energiebereitstellung voraus.


Die Kombination aus Stress und Hypernervosität scheint der Hauptauslöser für diese Form des Verschlags zu sein.

Besonders in den Trainingsphasen, in denen die Tiere nicht im vollen Tempo laufen dürfen, also zurückgehalten werden, kommt es zu akuten Schüben. Schon allein durch die starke Anspannung der Pferde vollbringt die Muskulatur Höchstleistung. Vergleichbar ist das in etwa mit einem Auto, bei dem Vollgas gegeben wird, aber kein Gang eingelegt ist. In dieser Situation wird das eingelagerte Glykogen schlagartig verbrannt und es kommt zu einem massiven Anstieg von Laktat und CO2 in der Muskulatur. Dadurch werden die Muskelzellen geschädigt und es kommt zum Verschlag. RER ist ebenfalls erblich und tritt, wie bereits erwähnt, insbesondere bei Vollblütern und Arabern auf.

Diagnose über einen „PSSM“-Gentest

Bei Pferden, die Anzeichen von Muskelerkrankungen zeigen, kann eine Untersuchung der Muskulatur Aufschluss geben. Bei der Biopsie werden aus bestimmten Muskeln (meist an der Hinterhand) Muskelbündel entnommen und anschließend mikroskopisch untersucht. So können die übermäßigen Glykogen-Einlagerungen erkannt werden, was ein sicheres Zeichen für Muskelstoffwechselstörung ist. Die Muskelbiopsie gilt als alleinige sichere Diagnose für PSSM.
Es gibt auch die Möglichkeit, bereits bei jungen Pferden und vor einem Ausbruch der Krankheit, diese Diagnose zu stellen, und zwar mit Hilfe eines Gentests. Da PSSM autosomal vererbt wird, d.h. die Krankheit durch das Vorhandensein eines einzigen Gendefekts ausgelöst wird, reicht die Untersuchung auf diesen Gendefekt aus, um die Diagnose stellen zu können. Das betreffende Gen, das bei Pferden mit Polysaccharid-Speichermyopathie verändert ist, ist verantwortlich für das Enzym Glykogen-Synthase 1, kurz GYS-1. Die Untersuchung auf diesen Gendefekt ist mittlerweile weit verbreitet und wird beispielsweise bei American Quarter Horses standardmäßig durchgeführt. Allerdings wurde festgestellt, dass nur etwa 90 % der Pferde die an PSSM erkrankt sind, auch Träger des GYS-1-Gendefekts sind. Die übrigen 10 % sind zwar erkrankt, haben jedoch nicht das GYS-1 in ihren Erbanlagen. Bei diesen Fällen muss die Krankheit eine andere Ursache haben. Welche genau das ist, ist noch nicht eindeutig geklärt.

Lesen Sie hier unsere Fütterungstipps: Pferde mit PSSM richtig füttern ...

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