KPU beim Pferd – was steckt dahinter?

23.09.2016

Was versteht man unter der sogenannten Stoffwechselstörung KPU beim Pferd?

KPU beim PferdKPU" oder "Kryptopyrrolurie beim Pferd“ – dieses Thema taucht immer wieder in unseren MASTERHORSE Beratungsgesprächen, Foren oder auch im Reitstall auf. In bestimmten Beratungskreisen wird dieser vermeintliche Gendefekt bzw. diese Stoffwechselstörung gerne diagnostiziert. Untermauert wird der KPU-Verdacht beim Pferd in der Regel durch einen Urintest. Aber handelt es sich bei KPU wirklich um eine Krankheit bzw. Stoffwechselstörung oder ist es „nur“ eine Mangelversorgung mit speziellen Nährstoffen?

Die Abkürzung KPU steht für Kryptopyrrolurie. Der Begriff „krypto“ ist abgeleitet vom Griechischen „krypta“ und bedeutet „verborgen“. „Pyrrole“ sind Bausteine des Blutfarbstoffs Hämoglobin; ihre Abbauprodukte werden in der Regel über die Gallenflüssigkeit ausgeschieden. Das Wort „urie“ deutet darauf hin, dass diese Stoffwechselprodukte im Urin gefunden werden können bzw. mit dem Urin ausgeschieden werden. Folglich ist die wortwörtliche Übersetzung von Kryptopyrrolurie „versteckte Pyrrole im Urin“.

Die Stoffwechselstörung Kryptopyrrolurie beim Pferd wird durch eine angeblich genetisch bedingte Enzymstörung ausgelöst. Bausteine des Blutfarbstoffs Hämoglobin, die so genannten Pyrrole, binden sich an Vitamin B6 und Zink. Der „Kryptopyroll-Komplex“ verlässt den Körper mit dem Urin. Folglich stehen dem Körper diese Vitalstoffe nicht mehr für Stoffwechselprozesse zur Verfügung. Die Folge der KPU beim Pferd: Eine Vielzahl von Stoffwechselentgleisungen und Symptome, die auf Mangelerscheinungen hindeuten. Eine langwierige und oft auch kostenintensive Therapie des KPU-Pferdes durch Heilpraktiker oder „spezielle Ernährungsberater“ beginnt.

Das Krankheitsbild der Kryptopyrrolurie beim Pferd kommt ursprünglich aus dem Humanbereich und wird auch hier kontrovers diskutiert. Klinische Ökologen, orthomolekulare Mediziner und Heilpraktiker stellen auch beim Menschen oft die Diagnose „Pyrollurie“. Wissenschaftlich fundierte Studien, die das Vorhandensein von Kryptopyrrolurie beim Menschen oder beim Pferd beweisen, gibt es nicht. Hinter dieser Pseudokrankheit steckt wohl nicht mehr als ein Nährstoffmangel in Kombination mit einer Entgleisung des Entgiftungssystems des Pferdes.

 INFO TO GO - Kryptophyyroulurie bei Pferden  
  • KPU beim Pferd ist keine Bezeichnung für eine unheilbare Krankheit, es handelt sich in der Regel um einen Zink- bzw. Spurenelementmangel in Kombination mit einer Überlastung der körpereigenen Entgiftung und des Stoffwechsels.
  • Eine optimale Zink- und Spurenelementversorgung unterstützt das Abklingen der Symptome.
  • Leberkräuter helfen dem Körper bei der Entgiftung.
  • Oft treten auch Verdauungsprobleme auf. Diese gilt es in den Griff zu bekommen, um eine optimale Nährstoffaufnahme zu gewährleisten und die körpereigene B-Vitamin-Synthese sicher zu stellen.
 

Die Symptome der „Modekrankheit“ KPU beim Pferd

Folgende Symptome werden mit KPU beim Pferd in Verbindung gebracht:

  • Vitamin B6- und Zinkmangel, häufig sind auch Mangan und andere Spurenelemente im Mangel.
  • Schwaches Immunsystem.
  • Müdigkeit, mangelnde Leistungsbereitschaft.
  • Verdauungsstörungen wie Koliken, Kotwasser, Durchfall oder Blähungen.
  • Hautprobleme wie Sommerekzem, Mauke oder Raspe.
  • Leber- und Nierenprobleme.
  • Psychische Verhaltensauffälligkeiten.

Des Weiteren sehen Anhänger der KPU-Theorie einen Zusammenhang zwischen KPU beim Pferd und Problemen wie Equinem Metabolischen Syndrom (EMS), Hufrehe, Sommerekzem, Headshaking bis hin zu chronischen Lungenerkrankungen.
Durch Licht, Infektionen, Stress oder auch Chemikalien (Insektenabwehrmittel, Holzschutzmittel, Lacke, Farben, Pestizide) und Schimmelpilzgifte sollen sich angeblich die Symptome verstärken.

Auf KPU testen – Urintest oder Blutbild?

Der Urin-Test bei KPU

Die Krankheit KPU wird meist mittels Urintest diagnostiziert. Die Probe wird in ausgewählte Labore geschickt, die sich auf diesen Test spezialisiert haben. Hier wird der Harn auf den Kryptopyrrolgehalt und den Indikanwert untersucht.

Der Kryptopyrrolwert
Pyrrole sind ganz normale Stoffwechselprodukte, die üblicherweise beim Pferd über die Pferdeäpfel ausgeschieden werden. Bei Pferden mit KPU soll die Pyrrol-Produktion so hoch sein, dass sie als „Kryptopyrrol-Komplex“ mit Zink und Vitamin B6 auch über den Urin ausgeschieden wird.

Der Indikanwert
Bei Indikan handelt es sich ebenfalls um ein ganz normales Stoffwechselprodukt. Es entsteht beim Abbau der Aminosäure Tryptophan. Erhöhte Indikanwerte im Urin sind somit ein Zeichen für den Tryptophan- und den Eiweißgehalt im aufgenommenen Futter. Im Rahmen der KPU-Diagnostik wird ein hoher Indikangehalt als Hinweis für eine Dysbakterie im Dickdarm gesehen, welche im Zusammenhang mit der schlechten Nährstoffresorption in Verbindung stehen soll.

Das Blutbild des Pferdes – Was fällt auf?

Ein Blutbild ist aussagekräftiger als der Urintest. Zeigt das Pferd eines oder mehrere der oben genannten Symptome, so sind häufig die Spurenelemente Zink, Selen oder Mangan im unteren Grenzbereich bzw. im Mangel. Auch Pferde, deren Grundbedarf an Spurenelementen über ein Mineralfutter oder Ergänzungsfutter abgedeckt wird, können diese Versorgungslücken aufzeigen. Dies ist ein Hinweis, dass der Körper vermehrt Spurenelemente z.B. für Entgiftungsprozesse abzieht und dadurch der Bedarf steigt. Häufig gibt es im Blutbild auch Anzeichen für Leber- oder Nierenprobleme.

Was hat es mit den Pyrrolen und den Kryptopyrrolen auf sich?

Pyrrol (C4H5N) gehört zu der chemischen Verbindung der stickstoffhaltigen Heteroaromaten. Vier Pyrrolringe werden für die Bildung von Porphyrinen benötigt. Zu ihnen zählt auch das Porphin, es ist Bestandteil der Farbstoffe Häm (Blut), Bilirubin und Urobilin (Galle) sowie Chlorophyll. Pyrrolringe finden sich auch in Vitamin B12 und diversen Enzymen der wieder.

Der Abbau des Häms mit seinem Porphyrinkomplex erfolgt enzymatisch über die Gallenfarbstoffe Biliverdin und Bilirubin. In der Leber wird Bilirubin weiter verstoffwechselt und über die Galle ausgeschieden. Im Darm wird Bilirubin anschließend bakteriell abgebaut bzw. umgewandelt. Hierbei entstehen Stoffwechselprodukte, die auch Pyrrole enthalten können. Der Großteil wird mit dem Kot ausgeschieden. Es ist jedoch denkbar, dass die entstandenen Pyrrol-Verbindungen wieder resorbiert und über die Niere ausgeschieden werden können.

KPU beim Pferd ist folglich keine Erbkrankheit, sondern ein Zeichen dafür, dass ein überlasteter Körper versucht Abbauprodukte so effektiv wie möglich auszuscheiden. Dass es bei diesem Entgiftungsweg zu einer Komplexbildung mit aktiviertem Vitamin B6, Zink oder anderen Nährstoffen kommt ist durchaus normal und nicht zwingend an einen Gendefekt gekoppelt.

KPU beim Pferd - Symptome und Ursachen.

Ursachen von KPU beim Pferd – doch nur eine ganz normale Mangelerscheinung?

Die Anzeichen eines Zinkmangels!

Schaut man sich die Mangelerscheinungen der betroffenen Pferde an, so deutet vieles auf eine Zinkunterversorgung hin. Bei der Diagnose „KPU“ leidet das Pferd häufig an Hautproblemen, einem schwachen Immunsystem und/ oder Leberproblemen – also den klassischen Zinkmangel-Symptomen. Dieser kann sowohl durch eine ungenügende Zink-Zufuhr als auch durch einen stark erhöhten Zinkverbrauch entstehen. Zink ist an sehr vielen Stoffwechselvorgängen beteiligt. So wird die Kohlenhydrat- und Eiweißverdauung u.a. durch Zink gesteuert, ein stabiles Immunsystem benötigt eine Portion Zink, auch die Enzyme des Haut- und Leberstoffwechsels können nur mit ausreichend Zink optimal arbeiten.

Fehlende intakte Verdauung – unzureichende B-Vitamine-Versorgung

Ein gesundes Pferd kann einen großen Teil der benötigten B-Vitamine im Darm selbst herstellen. Die Mikroorganismen im Dickdarm gewinnen nicht nur Energie aus cellulosereichen Futtermitteln wie Gras und Heu, sondern produzieren auch Aminosäuren, Vitamin K und die B-Vitamine. Eine falsche Fütterung sowie Stress führen oft zu Verdauungsproblemen mit einer Zerstörung der gesunden Darmflora. Die Folgen davon können Koliken, Kotwasser oder Durchfall sein. Im Organismus werden dabei vermehrt Giftstoffe gebildet und belasten den Stoffwechsel; zusätzlich ist die körpereigene B-Vitaminsynthese reduziert. Dies kann sich schnell in Haut-, Fell-, Leber- sowie Leistungsproblemen äußern. Bei länger anhaltenden Verdauungsproblemen wird auch die schützende Schleimhautschicht im Darm angegriffen, Giftstoffe gelangen so noch leichter in den Organismus.

Umweltgifte – Die Leber leistet Höchstarbeit

KPU beim Pferd wird häufig auch mit einer Entgleisung des Entgiftungssystems des Körpers in Verbindung gebracht. Das Pferd ist heutzutage einer Vielzahl von Giftstoffen und anderen belastenden Substanzen, sogenannten Umweltgiften ausgesetzt. So belasten Rückstände von Medikamenten, schimmeliges Futter, Konservierungsstoffe in Futtermittel, Pflanzenschutzmittel oder auch eine Überfütterung die Entgiftungsorgane des Körpers. Um diese Toxine wieder aus dem Körper des Pferdes zu transportieren benötigt die Leber vor allem die Spurenelemente Zink und Mangan sowie Vitamin B6. Ziel ist es, das Pferd so wenig wie möglich mit schädlichen Substanzen zu belasten und den Körper beim Entgiften zu unterstützen.

Pferde mit KPU – Die richtigen Fütterungs- und Haltungsbedingungen

Statt teurer Diagnosen und Therapien reichen beim Auftreten der oben genannten Symptome eine nährstoffbilanzierte Fütterung sowie eine artgerechte Haltung und Bewegung aus. Eine optimale Nährstoffversorgung liefert dem Organismus die Vitalstoffe, die er für eine reibungslose Entgiftung und für optimal funktionierende Stoffwechselvorgänge benötigt. Ein luftiger Stall sorgt für eine geringe Schadgasbelastung und ausreichend Bewegung hält den Kreislauf sowie die Durchblutung des Gewebes und der Organe in Schwung.

Eine optimale Zink- und Spurenelementversorgung

In Deutschland und Mitteleuropa sind Gras, Heu oder auch Heulage arm an Spurenelementen wie z.B. Zink, Selen und Mangan. Bei Leberproblemen, Verdauungsstörungen, Hautproblemen oder auch chronischem Husten steigen der Zink-Bedarf im Speziellen und der Spurenelementbedarf im Allgemeinen an. Deswegen ist es sinnvoll, diese Spurenelemente in einer erhöhten Menge über ein hochwertiges Zusatzfutter zu geben

Gesunder Darm – ausreichend B-Vitamine

Der Darm gilt als das Zentrum der Gesundheit. Hier befindet sich ein Großteil des Immunsystems, Nahrung wird aufgespalten und Nährstoffe aufgenommen. Die im Dickdarm ablaufende B-Vitamin-Synthese ist bei Verdauungsproblemen stark vermindert. Für die Entgiftung in der Leber fehlt dann vor allem Vitamin B6. Um gravierende Probleme durch einen B-Vitaminmangel zu vermeiden, muss die Verdauung wieder stabilisiert werden. In solchen Fällen haben sich Ergänzungsfuttermittel mit darmpflegenden Kräutern, Schleimstoffen und probiotischen Lebendhefen bewährt.

Kraftfutter – die richtige Menge muss es sein

„Darf ein bisschen mehr sein?“ – Lieber nicht bei leckeren Müslis oder getreidereichen Kraftfutter. Viele Pferde sind zu dick und arbeiten wenig, hier reicht qualitativ hochwertiges Heu und bei Bedarf eine kleine Portion Kraftfutter aus. Zuviel Kraftfutter pro Futterration kann zu pH-Verschiebungen im Dickdarm führen; Verdauungsprobleme, Übergewicht und Leberproblemen sind die Folge.

kpu-pferd-richtige Mineralstoff- und Vitaminversorgung

Der Expertentipp – die richtige Mineralstoff- und Vitaminversorgung bei Pferden mit „KPU“

Die Bezeichnung „KPU beim Pferd“ beschreibt aus unserer Sicht keine unheilbare Krankheit oder einen Gendefekt; sie ist eher ein Sammelbegriff für einen Zink- bzw. einen generellen Nährstoffmangel, sehr oft in Kombination mit einer Leber- und Stoffwechselüberlastung.

Deswegen sollte als erster Schritt die Futterration betrachtet werden. Oft bekommen betroffene Pferde zu viel Kraftfutter und Heu sowie zu wenig Mikronährstoffe. In solchen Fällen heißt es, die Futtermenge der Arbeitsleistung und dem Futterzustand des Pferdes anpassen und auf die richtige Vitamin- und Mineralstoffversorgung achten.

  • Neben einem hochwertigen Mineralfutter ist auch eine Ergänzung mit Spurenelementen empfehlenswert. Hierfür eignen sich MASTERHORSE ZINK-PRO bei einer überwiegenden Zinkunterversorgung oder die MASTERHORSE SPUREN-KUR bei einem generellen Spurenelementmangel.
  • Die B-Vitaminversorgung kann vor allem bei Durchfall und Kotwasser durch das Zusatzfutter MASTERHORSE B-KOMPLEX sichergestellt werden. Bei Verdauungsproblemen ist das probiotisch wirkende MASTERHORSE DARM-PERFEKT empfehlenswert.
  • Der Leberstoffwechsel sollte durch Mariendistelsamen in Form von MASTERHORSE MARI-KUR unterstützt werden.

Fütterungstipps

  • MASTERHORSE BASIS-PLUS

    • organische Mineralstoff-und Spurenelementverbindungen für beste Verfügbarkeit
    • mit Leinsamen, Seealgen, Hagebutten und Karotten
    • ohne Getreide und Melasse

    ab 34,95 €* 11,65 € * / 1 kg
  • MASTERHORSE ZINK-PRO

    • optimiert die Zinkversorgung
    • ohne Getreide und Melasse
    • unterstützt Hautregeneration, fördert Abwehr und Leberstoffwechsel

    ab 18,95 €* 21,06 € * / 1 kg
  • MASTERHORSE SPUREN-KUR

    • organische Spurenelemente, Seealgen und Kräuter
    • u.a. Zink, Selen und Mangan
    • Vitalstoffe für Huf, Fell, Haut und das Immunsystem

    ab 34,95 €*
  • MASTERHORSE B-KOMPLEX

    • hohe Konzentration an B-Vitaminen
    • Kombination aus Natürlichen und Synthetischen B-Vitaminen

    ab 29,95 €* 19,97 € * / 1 kg
  • MASTERHORSE DARM-PERFEKT

    • mit der 3-fach-Wirkung für eine optimale Darmfunktion
    • mit Kräutern, Lebendhefe, B-Vitaminen, Johannisbrot, Tryptophan und Magnesium.

    ab 69,95 €* 15,54 € * / 1 kg
  • MASTERHORSE MARI-KUR

    • Mariendistel hat sich zur Stärkung des Leberstoffwechsels bewährt
    • sinnvoll nach längerer Medikamentengabe

    ab 24,95 €* 20,79 € * / 1 kg